Gottesdienst mit allen Sinnen

„Wir sagen euch an den lieben Advent“ sangen fast alle mit beim ökumenischen Gottesdienst für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle, die solidarisch mitfeiern wollten am 12. Dezember in der Pfarrkirche St. Leonhard. Diese Feier, die von der Initiative „Demenzfreundliche Stadt Graz“ veranstaltet wurde, war eine der Aktionen, die Graz für alle ihre BewohnerInnen – mit und ohne Demenz – zu einer lebenswerten Stadt machen will.

Dass der Weg nach Bethlehem lang und beschwerlich war, dass dann in Bethlehem auch nicht alles perfekt und ideal nach unseren Vorstellungen war und Jesus doch gerade dort zur Welt kam, daran erinnerten Diakonin Elisabeth Pilz und Pfarrer Hans Schrei in ihren Ausführungen zum Weihnachtsevangelium.

Menschen mit demenziellen Erkrankungen und ihre Angehörigen werden mit tiefgehenden Änderungen und Verlusterfahrungen konfrontiert. Schnell kommt es zur Scham für die eigene Demenzerkrankung. Oder zu Situationen, in denen Angehörige sich im Gemeindegottesdienst nicht mehr willkommen fühlen mit dem nicht ganz angepassten Verhalten des demenzkranken Vaters. Umso wichtiger ist es, die vertraute und stärkende Umgebung der Kirche mit Gebet, Glocken, Orgel und Weihrauch für alle zu ermöglichen.

60 sehr unterschiedliche Menschen, manche in den verschiedenen Stadien demenzieller Erkrankungen, andere als Angehörige, Pflegende, Betreuende, … feierten in St. Leonhard in einer  vertrauten und offenen Atmosphäre, sangen Adventlieder, hörten Bibelstellen und beteten gemeinsam.  Wie wertvoll jeder Einzelne in dieser Gemeinschaft ist, wurde besonders durch die Segnung mit Rosenöl spürbar.

Alte Bekannte trafen sich und neue Bekanntschaften wurden danach bei der Agape geschlossen – wo sichtbar wurde wie stärkend und ungezwungen Beisammensein sein kann.

Anna-Chistina Kainradl erschienen im Sonntagsblatt für Steiermark 51/52 2018