Demenzfreundliche Stadt Graz

Wir arbeiten in der Stadt Graz zusammen, damit Menschen mit Demenz und deren Familien sich gut aufgehoben, integriert und unterstützt fühlen. Seien Sie dabei...

Gottesdienst mit allen Sinnen

Der nächste demenzfreundliche Gottesdienst findet am

  19.9. in der Pfarre Graz - Schmerzhafte Mutter statt.

Vom konkreten Leben ausgehen

Es passt nicht zusammen: das Stereotyp von Demenzkranken und diese dreißig Menschen mit Demenz, die am 8.Mai in der Grazer Heilandskirche im Rahmen eines demenzfreundlichen Gottesdienstes feiern und singen. Es passt nicht zusammen: das Bild von Demenz, das Medien und Gesellschaft als Angstbild großmachen. Und die Wirklichkeit, wie sie an diesem Tag in der Heilandskirche zu erleben ist.
Aber auch das gehört zur Wirklichkeit: Angehörige von Menschen mit Demenz, die zeitlebens in der Pfarre engagiert waren, ziehen sich zurück, kommen nicht mehr zum Sonntagsgottesdienst. Vereinsamen im Angesicht dieser Krankheit, die so gar nicht zu den Idealen unserer leistungsorientierten und autonomieverliebten Gesellschaft passt. Menschen mit Demenz verändern sich, zeigen unliebsame Verhaltensmuster, werden gebrechlich und benötigen viel Kraft, Aufmerksamkeit und Pflege.
Das Projekt „Demenzfreundliche Stadt Graz“, im Rahmen dessen bisher zwei ökumenische Gottesdienste für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle, die solidarisch mitfeiern wollen, gefeiert wurden, hat zum Ziel diese vielfältige Wirklichkeit ohne Schönfärberei und Angst wahrzunehmen – und dazu beizutragen, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ihren Platz in der Mitte unserer Gesellschaft behalten.

Sich um Qualität mühen

Nach der Salbung mit Rosenöl streicht sich die ältere Dame immer wieder über die gesalbte Hand, riecht daran, reibt die Hände aneinander. Gerade im Moment der Salbung erleben wir, wie gut es tut, Gottes liebenden Zuspruch, seinen zärtlichen Blick „mit allen Sinnen“ zu spüren, wie das Thema der Gottesdienste lautet. Weihrauch, Glockengeläut und altbekannte Lieder wecken nicht nur bei Menschen mit Demenz viele Erinnerungen, geben ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung.
Dabei ist es dem Vorbereitungsteam wichtig, im Bemühen um Einfachheit nicht banal zu werden, Bibelstellen und Gebete nicht unnötig zu versimplifizieren, vielfältige Sinne anzusprechen ohne kindisch zu werden. Und dabei Respekt zu zeigen vor der Beziehung dieser Menschen zu Gott, der ja unser aller kognitive Fähigkeiten überschreitet.
Braucht es dafür eigene Demenz-Gottesdienste? Sollten Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht in unseren pfarrlichen Sonntagsgottesdiensten Platz haben?
Ja. Es braucht mehr Sensibilität in der Wahrnehmung dieser Menschen sowie im Leben und Feiern unserer Gemeinschaften. Ziel ist es dabei nicht, Kirche für Menschen mit Demenz lebbar zu machen, sondern Kirche mit ihnen zu leben.
Am Weg dorthin können demenzfreundliche Gottesdienste helfen. Sie sensibilisieren, üben Formen des Miteinanders ein – und geben Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen einen Platz, wo sie ihre religiösen Bedürfnisse in Offenheit und Vertrautheit leben können.
Eine Erfahrung gibt zu denken: die Gottesdienste „Mit allen Sinnen“ waren für Menschen mit und ohne Demenz stärkend und wohltuend. Oder wie ein junger Mann es ausdrückte: „Das wäre doch für alle was!“ 

  Anna-Chistina Kainradl